Im vorliegenden Band wird der Einfluß des Nutzerverhaltens auf den Energiebedarf von Passivhäusern untersucht (J. Knissel / T. Loga, IWU). Der quantitative Einfluß des Nutzerverhaltens auf den Energieverbrauch bestimmt sich aus der Sensitivität, mit der das Gebäude auf gewisse Nutzungssituationen reagiert und aus der Häufigkeit, mit der diese Situationen eintreten. Es wird untersucht, wie sich folgende Faktoren auf den Heizwärme- und Primärenergiebedarf auswirken: Vorhänge oder Gardinen an den Südfenstern, Verschmutzung der Fenster, Einfluß des Lüftungsverhaltens (geöffnete Fenster), die Raumluft-Soll-Temperatur und der Stromverbrauch. Insgesamt ist der Einfluß des Nutzerverhaltens auf den Energieverbrauch geringer als bei konventionellen Gebäuden, wegen der geringen Verbrauchswerte kann der Einfluß jedoch prozentual größer erscheinen.
Umfangreiche Messungen und sozialwissenschaftliche Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Nutzerverhalten liegen vom Passivhaus Darmstadt Kranichstein vor. Wie aus dem folgenden Beitrag hervorgeht, tragen die Nutzer in mehrfacher Hinsicht zum Erfolg eines Energiekonzeptes bei (Dr. W. Feist, PHI / Dr. W. Ebel, IWU). Ziel der sozialwissenschaftlichen Untersuchungen war es, zu klären, welche Auswirkungen (z.B. Verhalten, Komfort) das Wohnen im Passivhaus auf die Bewohner hat, und wie die Auswirkungen von den Bewohnern anhand definierter Kriterien bewertet werden. Darüberhinaus geben die umfangreichen Messungen der Verbrauchswerte Auskunft darüber, daß das Nutzerverhalten dazu beitrug, die Zielsetzung des niedrigen Energieverbrauchs zu erfüllen. Erreicht wurde dies nicht durch ein besonders sparsames Verhalten, sondern durch die Einfachheit des Passivhaus-Konzeptes; nach einer Eingewöhnungeszeit lebt es sich dort bequemer als in einem anderen Gebäude.
Im nachfolgenden Beitrag werden objektive Meßdaten von ausgeführten
Bauprojekten zusammengestellt und ausgewertet, um die Frage zu klären,
ob technische Verbeserungsmaßnahmen (z.B. Wäremschutz) zu bedeutenden
Reduktionen im Energieverbrauch führen, oder ob nicht vor allem das Nutzerverhalten
für den Verbrauch maßgeblich ist (Dr. W. Feist, PHI).
Der abschließende Beitrag befaßt sich mit psychologischen Aspekten des Nutzerverhaltens (H. Hüber / B. Schmitz, Universität Gh Kassel). Umweltgerechtes Verhalten erfordert Kenntnisse über grundlegende Zusammenhänge. Daher erscheint es sinnvoll, Ansätze zur Verhaltensmodifikation beim Energieverbrauch in einem interdiszipinären Vorgehen zwischen Psychologen und Ingenieuren zu entwickeln, damit technische Innovationen besser an die Bedürfnisse der Nutzer angepaßt werden können.
Inhalt:
Einfluß des Nutzerverhaltens
auf den Energieverbrauch in Passivhäusern
Tobias Loga und Jens Knissel, Institut Wohnen und Umwelt
Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen zum Nutzerverhalten im Passivhaus
Darmstadt Kranichstein
Dr. Witta Ebel, Institut Wohnen und Umwelt und Dr. Wolfgang Feist, Passivhaus
Institut
Meßergebnisse zur Nutzerstreuung des Energieverbrauchs bei ausgewerteten
Bauprojekten
Dr. Wolfgang Feist, Passivhaus Institut
Psychologische Aspekte des Nutzerverhaltens - Ansätze zur nutzungsorientierten
Gestaltung
Dr. Britta Schmitz und Dr. Hartmut Hübner, Universität Kassel:
WZ Umweltsystemforschung