In der vorliegenden Studie
wird ein Vergleich verschiedener Heizungs- und Warmwasserbereitungssysteme für
ein typisches Niedrigenergiehaus (NEH) durchgeführt. Dabei werden End-
und Primärenergieverbräuche, CO2-Emissionen sowie Investitionen
und jährliche Gesamtkosten ermittelt. Die Wärmedämmung des Gebäudes
bleibt jeweils unverändert [NEH-Standard: Heizwärmebedarf unter 70
kWh/(m²a)].
Als Basisheizsysteme werden betrachtet:
Diese Basissysteme werden
durch die Kombination mit verschiedenen Lüftungsstrategien von der
Fensterlüftung über mechanische Abluftsysteme bis zu Wärmerückgewinnungssystemen
mit Luft/Luft-Wärmepumpen weiter variiert.Zusätzlich wird auch
die Wärmeversorgung über ein Nahwärmenetz, das durch ein Gasmotor-BHKW
aufgespeist wird, aufgenommen.
Zur Ermittlung der Energieverbräuche wurden berücksichtigt:
Der Primärenergiebedarf und die CO2-Emissionen wurden mit den Faktoren nach GEMIS 3.0 berechnet und zur Sensitivitätsanalyse mit den Ergebnissen anderer Autoren verglichen.
Die Ergebnisse können folgendermaßen zusammengefaßt werden:
Beim Vergleich der Primärenergieverbräuche
unter Einschluß der kompletten vorgelagerten Aufwendungen für die
Erdgas- und Strombereitstellung können nur Elektrowärmepumpensysteme
den niedrigen Primärenergiebedarf von Erdgasheizungen mit Brennwert- oder
Niedertemperaturtechnik [88 bis 119 kWh/(m²a)] erreichen.
Elektrospeicherheizungen weisen Primärenergieverbräuche auf, die zwischen
ca. 35% (ESp mit 65% Wärmerückgewinnung und zusätzlicher Luft/Luft-Wärmepumpe)
und 130% (ESp mit Fensterlüftung) höher liegen als beim Referenzheizsystem
(Erdgas NT-Kessel mit Abluftanlage). Gegenüber der Brennwertnutzung fallen
die Unterschiede noch deutlicher aus.
Einen um ca. 40% niedrigeren
Primärenergieverbrauch gegenüber dem Referenzsystem weist die Nahwärmeversorgung
(Gasmotor-BHKW) des Niedrigenergiehauses auf.
Noch drastischer zeigt der Vergleich der CO2-Emissionen, daß
im Niedrigenergiehaus Elektrospeicherheizungen auch in Kombination mit Wärmerückgewinnungsanlagen
und Luft/Luft-Wärmepumpen im Vergleich zu Erdgasheizungen keine umweltpolitisch
akzeptable Lösung darstellen. Die CO2-Emissionen des hier untersuchten
NEH mit Elektrospeicherheizung und 65% Wärmerückgewinnung betragen
10,3 Tonnen CO2/a. Bei Einsatz der Erdgasreferenzanlage werden nur
noch ca. 37% davon emittiert - 6,5 Tonnen CO2/a weniger. Erst die
Sole/Erdreich-EWP kombiniert mit 80% Wärmerückgewinnung aus der Abluft
erreicht das gleiche niedrige Niveau der Erdgasreferenzanlage.
Nur das nahwärmeversorgte
NEH mit Erdgas weist noch niedrigere CO2-Emissionen auf. Aufgrund
der CO2-Gutschrift für den gekoppelt erzeugten Strom ergeben
sich sogar negative Werte. Das bedeutet, die Wärme wird rechnerisch ohne
CO2-Emissionen zur Verfügung gestellt.
Bei den Investitionen (Niveau: 20.000 DM bis 35.000 DM) sind die Unterschiede
beim Einsatz von Erdgasheizungen mit NT- oder BW-Technik im Vergleich zu Elektrospeicherheizungen
jeweils mit den gleichen Lüftungssystemen nicht groß. Nur die Investitionen
für Systeme mit Elektrowärmepumpen liegen zwischen 5.000 DM und 10.000
DM über den Investitionen für Erdgasheizungen mit den gleichen Lüftungssystemen.
Die Investitionen der Nahwärmeversorgung
einschließlich Anschlußkosten liegen mit rund 21.000 DM in gleicher
Höhe wie bei der Erdgasreferenzanlage.
Die jährlichen Gesamtkosten betragen bei der Erdgas-Referenzheizung 3.091
DM/a und damit gut 700 DM/a weniger als bei Elektrospeicherheizungen sowie mindestens
380 DM/a weniger als bei Heizsystemen mit Elektrowärmepumpen. Die Gesamtkosten
bei einer Nahwärmeversorgung entsprechen mit 3.075 DM/a den Gesamtkosten
der Referenzanlage.
Der Vergleich von Heizsystemen
für Niedrigenergiehäuser zeigt, daß sowohl aus wirtschaftlichen
als auch aus Umweltschutzgründen moderne Erdgasheizungen und Nahwärmesysteme
(Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgas-BHKW) bei NEH-Standard die beste Wahl
darstellen.
Aus Sicht des Umweltschutzes stellen auch die untersuchten Sole/Erdreich - Elektrowärmepumpen
sowie die Kombination aus Abluftwärmepumpe und Erdgas-Spitzenheizung akzeptable
Lösungen dar. Für den Einsatz des Wärmepumpen-Kompaktaggregates
ist eine weitere Verringerung des Heizwärmebedarfs des Referenzhauses zu
empfehlen.
Dagegen sind die untersuchten Elektrospeicherheizungen mit gut zweimal so hohem Primärenergieeinsatz im Vergleich zu allen übrigen Heizsystemen vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele der Bundesregierung auch im Niedrigenergiehaus nicht akzeptabel.
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